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Textschnipsel zu Lichtgefährten – Zusammenkunft von Patricia Vonier

​Textschnipsel_ Nr.2 aus Lichtgefährten-Zusammenkunft*

Auf einmal sah ich das kleine Glühwürmchen wieder. Mit einer schnellen Bewegung richtete ich mich auf und stieß gegen etwas. Jemand lachte leise vor sich hin. Ein sehr angenehmes, warmes Lachen.

Ich blinzelte und langsam ergab sich ein Bild. Ein Mann mit langem ebenholzfarbenem Haar und sehr blasser Haut saß neben mir und rieb sich die Stirn.

»Also wenn das zur Gewohnheit wird, müssen wir uns etwas einfallen lassen«, sagte er sichtlich amüsiert. »Aber wenigstens sind Sie bei Bewusstsein. Das ist schon mal ein Fortschritt.« Er lächelte und betrachtete mich ganz genau mit seinen sanftgrünen Augen. 

Plötzlich war das Glühwürmchen wieder da. Eine kleine Taschenlampe, mit der er mir in die Augen leuchtete.

»Der Pupillenreflex ist etwas verzögert. – Aber das kann auch an dem leichten Beruhigungsmittel liegen, das ich Ihnen gespritzt habe.« Ich zuckte zusammen.

»Oh, keine Angst, es ist völlig harmlos. Es beschert erholsame Träume, weiter nichts«, erklärte er mir und augenblicklich wurde ich rot. Ich hatte wundervoll geträumt, nur das Aufwachen war grausam gewesen. Schnell blickte ich auf meine Hände. Der Verlobungsring steckte an meiner linken Hand und mein Ehering an meiner rechten. Es schien alles in bester Ordnung zu sein.

»Entschuldigen Sie, ich vergaß. Sind Sie überhaupt völlig orientiert? Wissen Sie, wo Sie sind und was passiert ist?«

Ich blickte mich um. Ich war in einer Bibliothek, einer sehr alten Bibliothek. Die in Leder gebundenen Bücher standen in kunstvoll geschnitzten Wandvitrinen aus dunklem Holz. Goldgemusterter, dunkelroter Brokatstoff bekleidete die Wände und zwischen den Buchvitrinen hingen wertvolle Gobelins und Ölgemälde. Die schweren Vorhänge vor den Fenstern waren zugezogen und an den Vitrinen seitlich befestigte Öllampen erleuchteten den Raum sehr zurückhaltend.

Ich lag auf einem der mit dunkelrotem Samt bezogenen Sofas, die um einen niedrigen ovalen Tisch standen, welcher mit verschnörkelten Einlagen aus Elfenbein kunstvoll verziert war.

»Haben Sie die Bücher alle gelesen?«, fragte ich und konnte den Blick nicht von den Kostbarkeiten nehmen.

»Ja, schon«, antwortete der Mann mit seiner angenehmen Stimme. »Aber das ist jetzt nicht wichtig.« Er griff vorsichtig nach meinem Arm, drehte mich wieder in seine Richtung und sah mich mit seinen leuchtenden grünen Augen eindringlich an.

»Können Sie sich an Nimroel und Marc erinnern und warum Sie hier sind?« Marc. Wie könnte ich den lieben kleinen Marc je vergessen. Und Nimroel. Bei der Erinnerung an ihn durchfuhr mich ein eiskalter Schauder. Und er war Kimaldor, König von Bathory.

t seinen warmen, rehbraunen Augen. Als ich ihn so sah, mit den süßen Sommersprossen im Gesicht und dem verwuschelten kastanienfarbenen Haar, schämte ich mich für mein Misstrauen. Und er sah richtig niedlich aus, in seinem Ritterkostüm.  »Welchen Ritter der Tafelrunde spielst du?«, fragte ich den Jungen schließlich. »Galahad? Gawein oder Parzival?« »Ich bin Marc, einfach nur Marc«, stellte er sich vor und blickte beschämt nach unten. »Ach, das wird schon. In der nächsten Saison spielst du bestimmt eine der Hauptrollen. Also für mich wärst du ein perfekter Parzival. Du hast dich wirklich ritterlich um mich gekümmert, ich danke dir.« Marc errötete und ein scheues Lächeln huschte über sein Gesicht. »Woher kennst du eigentlich meinen Namen?«, fragte ich nach und zu meiner Erleichterung übergab er mir meinen Rucksack. »Danke. Ich dachte schon, ich hätte ihn verloren. Ohne meinen Geldbeutel und das Rückfahrticket wäre ich aufgeschmissen.« Mir war jetzt schon viel wohler. In Marcs Gegenwart zitterte ich nicht mehr und mein Magen hatte sich auch beruhigt. Ich konnte ebenso gut in unserem Dorf zum Arzt gehen. »Also, ich danke dir vielmals. Du hast bestimmt noch viel zu tun. Proben, für die Aufführung heute Abend. Und mir geht es schon viel besser, ich fahre nach Hause.« Ich reichte Marc die Hand zum Abschied, doch zu meiner Verwunderung ließ er sie nicht mehr los. »Tut mir leid, Sara, aber ich kann dich nicht gehen lassen«, sagte er plötzlich bestimmt. »Ich habe den Befehl, dich zum Arzt zu fahren. Die Limousine wartet schon.«

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Leseschnipsel von Torine Mattuat – on the baltic sea 

​Torine Mattutat On the Baltic Sea Band 1 Dieses Mal für immer?
Da er auf der Station liegt, auf der sie arbeitet, wird es unumgänglich sein, dass sie ihn wiedersieht. Flo wird sich nicht weigern können, ihn zu behandeln. Schon die tägliche Visite wird eine Herausforderung werden. Etwas kopflos sortiert sie auf ihrem Schreibtisch Papiere, die eigentlich keine Sortierung nötig haben.

Da Elisa eine Zeitlang mit den Gesprächen beschäftigt sein wird, ist es Florentine vergönnt, noch eine Weile allein zu sein. Gut, dass ihr gesamtes Blut vor Schreck in den Unterleib gerutscht ist, dadurch wird sie weiterhin am Boden gehalten, und es besteht nicht die Gefahr, dass sie davonschwebt. Sie kann sich nur allmählich beruhigen und ihre Atmung normalisieren. Verzweifelt fragt sie sich, ob sie immer noch auf Antonio Barnes fixiert sein wird, wenn sie eine alte, tatterige Dame ist, die in ihrem Zimmer umherwandert und ihre falschen Zähne sucht.

In diesem Moment bemerkt sie das lautlose Vibrieren ihres Smartphones. Sie holt es aus ihrer Tasche. Die Popup-Nachricht zeigt ihr, dass Sam in Großbuchstaben HIIIIILFE!!!!!!! mit etlichen Ausrufezeichen und i`s geschrieben hat. Sie öffnet die Nachricht und liest, dass Sam darum bittet, sie so schnell wie möglich anzurufen.

Flo befindet sich allein im Arztzimmer und kann dadurch diesem Wunsch umgehend nachkommen. Als Sam das Gespräch annimmt, kommt weder eine Begrüßung noch irgendetwas Ähnliches, sondern nur: „Oh, Flo, Entschuldigung, es tut mir so leid, ich habe es gerade eben erfahren, ich hoffe, ich bin noch rechtzeitig!“

„Bitte beruhige dich, was ist denn los?“, fragt Florentine freundlich, fast lachend, weil sie sich ihre Freundin ganz aufgelöst vor ihrem geistigen Auge vorstellt und sich natürlich denken kann, welches Problem sie sieht.

„Florentine, ich habe es soeben von Jenni erfahren, Tonio scheint irgendwo bei euch da oben zu arbeiten und hatte einen Unfall. Er liegt in eurem Krankenhaus! Seine Schwester war mit seiner Tochter am vergangenen Wochenende bereits dort, um ihm Klamotten und weitere persönliche Sachen zu bringen. Übernachtet haben die beiden wohl bei Carina. Das Hotel kannte sie, da Tonio zuvor bereits bei Carina übernachtet hat. Süße, ich glaube kaum, dass dein Geheimnis länger ein Geheimnis bleibt. Willst du nach Schweden auswandern?“ 

In Krisenzeiten hatten sie sich immer wieder gegenseitig vorgeschlagen, nach Schweden auszuwandern, wenn das Leben zu schlimm werden würde.

Sam hat sich noch nicht beruhigt und Flo eigentlich auch nicht wirklich, doch in dieser Situation bleibt ihr jetzt gar nichts anderes übrig, als beruhigend auf ihre Freundin einzureden. „Sam, es tut mir leid, es dir sagen zu müssen …“

„Waaas? Sag jetzt nicht, es ist etwas mit Cadoc passiert und du arbeitest nicht?“, lässt Samantha sie nicht einmal ausreden.

Flo muss nun lachen. „Sam, bitte unterbrich mich bitte nicht. Ich habe soeben die Visite beendet und der letzte Patient war Tonio. Ich bin gerade ins Arztzimmer geflüchtet und wollte mich wieder beruhigen, aber deine Ablenkung ist genauso gut.“

„He! Du nimmst das so leicht!? Hat er dich erkannt?“, krakeelt Sam inzwischen schon voller Fassungslosigkeit.

Nun musste Flo lauter lachen. „Wie soll das denn gehen? Ich habe mich äußerlich komplett verändert. Ich denke, mein Kern ist weiterhin der alte, doch die Sache mit den Kontaktlinsen war doch deine Idee. Und die langen dunklen Haare auch. Meine Figur ist auch nicht mehr so linkisch und dürr wie vor elf Jahren.“

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Leseschnipsel mit Patricia Vonier

Lichtgefährten-Zusammenkunft


*Vorsichtig betrat ich den Umkleideraum und staunte. Der Junge hatte überhaupt nichts mit den Sicherheitskräften zu tun. Er war nur einer der Darsteller des Musicaltheaters, welches an das Kongresszentrum grenzte. Auf siebzehn, höchstens auf achtzehn Jahre schätzte ich ihn. Erleichtert erwiderte ich sein freundliches Lächeln. Er freute sich sichtlich, dass ich aus meinem Versteck gekommen war, und musterte mich gespannt mit seinen warmen, rehbraunen Augen. Als ich ihn so sah, mit den süßen Sommersprossen im Gesicht und dem verwuschelten kastanienfarbenen Haar, schämte ich mich für mein Misstrauen. Und er sah richtig niedlich aus, in seinem Ritterkostüm. 

»Welchen Ritter der Tafelrunde spielst du?«, fragte ich den Jungen schließlich. »Galahad? Gawein oder Parzival?«

»Ich bin Marc, einfach nur Marc«, stellte er sich vor und blickte beschämt nach unten.

»Ach, das wird schon. In der nächsten Saison spielst du bestimmt eine der Hauptrollen. Also für mich wärst du ein perfekter Parzival. Du hast dich wirklich ritterlich um mich gekümmert, ich danke dir.« Marc errötete und ein scheues Lächeln huschte über sein Gesicht.

»Woher kennst du eigentlich meinen Namen?«, fragte ich nach und zu meiner Erleichterung übergab er mir meinen Rucksack.

»Danke. Ich dachte schon, ich hätte ihn verloren. Ohne  meinen Geldbeutel und das Rückfahrticket wäre ich aufgeschmissen.«

Mir war jetzt schon viel wohler. In Marcs Gegenwart zitterte ich nicht mehr und mein Magen hatte sich auch beruhigt. Ich konnte ebenso gut in unserem Dorf zum Arzt gehen.

»Also, ich danke dir vielmals. Du hast bestimmt noch viel zu tun. Proben, für die Aufführung heute Abend. Und mir geht es schon viel besser, ich fahre nach Hause.« Ich reichte Marc die Hand zum Abschied, doch zu meiner Verwunderung ließ er sie nicht mehr los.

»Tut mir leid, Sara, aber ich kann dich nicht gehen lassen«, sagte er plötzlich bestimmt. »Ich habe den Befehl, dich zum Arzt zu fahren. Die Limousine wartet schon.

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Alica H. White 

​Rosenmontag:                

   Nach einiger Zeit lenkte er seine Aufmerksamkeit wieder auf Frauke. Gebannt sah er eine ganze Weile der lustigen Truppe um Frauke zu. Dabei wurde ihm klar, dass diese Frau eigentlich überhaupt nicht in seiner Liga spielte. Um solch eine Frau zu beeindrucken musste man sicher erfolgreich, selbstbewusst und vermögend sein. Und er? Er ist bloß ein hübscher Freigeist, mittellos und ohne festen Wohnsitz. 
Das würde doch niemals klappen! Was sollte denn eigentlich klappen? Was hatte er da in letzter Zeit überhaupt für Gedanken? 
Er hatte sich bisher nur als Abenteurer gesehen, der keine feste Bindung im Leben gebrauchen konnte. Außerdem schien sie auch ein paar Jahre älter zu sein als er … 
Diese Erkenntnis traf ihn wie ein Keulenschlag, paralysierte jeden weiteren Gedanken und lähmte auch seinen Körper. Scheinbar angewurzelt blieb er stehen, den Blick wie hypnotisiert auf sie gerichtet. 
Fasziniert beobachtete er ihr Lächeln mit dem sinnlichen Mund. Wie gerne würde er die weichen Lippen wieder küssen, nur noch einmal. 

Er schloss seine Augen in der Erinnerung an das prickelnde Gefühl, das die Berührung damals in ihm ausgelöst hatte. Sie noch einmal berühren, ja, das würde er zu gerne. Einmal mit ihr Schlafen, sich in ihr versenken. Danach würde er bestimmt feststellen, dass sie genauso war, wie alle anderen Frauen auch. Dann könnte er sie bestimmt wieder aus seinen Gedanken verbannen.

„Nun geh schon Junge, keine Feigheit vor dem Feind“, hörte Elias von hinten. 
Er blickte sich um und sah in das amüsierte Gesicht der Oma des Jungen. „Sonst muss ich meine Rose leider zurückfordern, ich möchte ja nicht, dass sie schlecht behandelt wird.“ 
Er nickte nur kurz. „Ja, ich weiß auch nicht, was mit mir los ist“, murmelte er. „Ich bin sonst nicht so … feige.“ Mit einem leisen Seufzer blickte er zur Oma.
„Manchmal muss man solche Gefühle ignorieren. Nur wer wagt, der kann auch gewinnen. Was hast du zu verlieren?“
„Nichts … ja … sie haben ja Recht. Es ist nur … sie ist … so … perfekt. Ich glaube nicht, dass sie jemanden wie mich überhaupt will.“

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Schnipsel Ingrid lechner 

Meine lieben 📚Freunde

Ich habe für euch noch eine kleine Leseprobe von Ingrid Lechner 

Heiße Küsse für das Christkind

Eine dichte, dunkle Rauchwolke zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Christas Herzschlag beschleunigte sich. Je näher sie kam, umso größer wurde ihre Unruhe. Als sie die Gasse erreichte, in der sie wohnte, keuchte sie erschrocken auf. Die blauen Lichter der drei Feuerwehrautos blitzten unheilvoll. Eine dichte Menschentraube verhinderte, dass sie näher fahren konnte. Sie hielt an der Seite und sprang aus dem Auto. Panik erfasste sie. Viola … Oh mein Gott, nein! 

Sie wusste nicht, wie sie durch die gaffende Menge hindurch gekommen war, doch plötzlich stand sie vor ihrem Haus. Die Flammen schlugen aus den Fenstern und fraßen sich bereits bis zum Dach hoch. Die Hitze, die von dem Feuer ausging, war trotz des Abstands deutlich spürbar.

„Viola! Viola! Meine Tochter … Wo ist meine Tochter? Hat jemand Viola gesehen?“ Ihre Stimme kippte. Sie wollte näher zu dem, was bis vor ein paar Stunden ihr Zuhause gewesen war. Jemand griff nach ihr und hielt sie fest. Sie wollte sich losreißen, fuhr herum … und starrte in die weit aufgerissenen, schreckerfüllten Augen ihrer Tochter. Ihr kreidebleiches Gesicht war schmutzig und von Tränenspuren wie gestreift. 

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Schnipselzeit mit Hailey

​Solche Situationen mag ich überhaupt nicht. Ich fühle mich trotz des Hundes an meiner Seite hilflos und ausgeliefert. Wenn man nicht sieht, was da auf einen zukommt, laufen Szenen wie in einem schrecklichen Horrorfilm vor dem inneren Auge ab.

Das Knurren neben mir wird lauter, und dann höre auch ich es. Schritte! Langsam und zielstrebig kommt jemand näher. Kenne ich ihn?? Auf dem waldigen Untergrund kann ich sie schlecht zuordnen. Mein Herzschlag erhöht sich, der Puls am rechten Handgelenk pocht.

„Hallo? Wer ist denn da?“, rufe ich erneut.

Amy bellt laut auf, als die untere Treppenstufe der Veranda knarzt. In diesem Augenblick durchzuckt es mich wie ein Blitz. Mein Magen verkrampft sich, ein stechender Schmerz sammelt sich in meiner Leibesmitte. Dieser unverkennbare Gang! Ich kann seine Nähe spüren. Sie schnürt mir den Hals ab, ich kann kaum noch atmen. ETHAN!

Hailey danke für die schönen Schnipsel. 

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Schnipselzeit 

​„Guten Morgen. Wie war dein Wochenende, Mary?“, frage ich.

Sie läuft neben mir her und begleitet mich zum Pult. Mary ist erst seit zwei Wochen in unserer Klasse. Sie sieht … NOCH! Mit ihren zarten sieben Jahren ist es für sie schwer verständlich, dass sie bald, wie die anderen Kinder, blind sein wird.

Amy stupst mich an und legt sich neben den Schreibtisch auf ihre Decke, die immer links direkt neben meinem Stuhl platziert ist.

„Es war schon … okay“, murmelt Mary.

Ich setze mich, um auf ihrer Augenhöhe zu sein. Ich kann nun ihren seichten Atem spüren, den sie mir direkt ins Gesicht pustet. Sie klebt wohl fast mit der Nasenspitze an meiner. „Was habt ihr denn unternommen?“, will ich wissen.

„Wir waren im Zoo“, antwortet sie.

„Und es hat dir nicht gefallen?“

Sie schnieft. „Doch, das schon … aber wissen Sie, Miss Wilson, bald kann ich die ganzen Tiere nicht mehr sehen.“ Ihre kleine Kinderseele scheint in diesem Moment in tausend Stücke zu brechen, und ich glaube, es hören zu können.